
Beim Umzug gibt es eine To-do-Liste, die gefühlt kein Ende nimmt. Zwischen Kisten packen, Checkliste abhaken und dem verzweifelten Versuch, den Internetanbieter rechtzeitig umzumelden, rutscht ein Punkt gerne mal nach hinten: die Post ummelden. Genauer gesagt: einen Nachsendeauftrag stellen, damit nach dem Umzug und bevor du alle Adressen geändert hast, keine Post im Nirgendwo verschwindet.
Ich habe meinen Nachsendeauftrag damals ein paar Wochen vor dem Umzug in der Postfiliale gekauft und ihn in Ruhe zuhause ausgefüllt. Das lief alles glatt. Was aber interessant war, war die Reaktion der Mitarbeiterinnen hinter dem Schalter. Sie waren geschockt über die kürzliche Preiserhöhung für den Nachsendeauftrag. Verständlich, wenn man bedenkt, dass vor 2003 die Nachsendung noch komplett kostenlos war.
Was ist ein Nachsendeauftrag eigentlich?
Kurz gesagt, du sagst der Deutschen Post, dass du umziehst, und sie leitet deine Briefpost automatisch an die neue Adresse weiter. Das klingt simpel, ist es im Grunde auch. Ob du es Nachsendeauftrag, Nachsendeantrag oder Adressänderung bei der Post nennst: gemeint ist dasselbe. Es gibt aber ein paar Details, die man kennen sollte, bevor man loslegt.
Der Service heißt offiziell „Nachsendeservice" und wird von der Deutschen Post angeboten. Wichtig zu verstehen: Der Nachsendeauftrag bei der Deutschen Post deckt nur die Post ab, die über die Deutsche Post zugestellt wird. Das sind zwar rund 85 % aller Briefsendungen in Deutschland. Aber je nachdem, wo du wohnst, gibt es regionale Briefdienste, die separat laufen. Dazu komme ich gleich noch.
Was kostet der Nachsendeauftrag?
Seit dem 1. Januar 2025 gibt es den Nachsendeauftrag nur noch mit einer Laufzeit von 6 Monaten. Die früheren Optionen für 12 oder 24 Monate wurden abgeschafft. Dieser Service wird also teurer und im Gegenzug bekommt man weniger Leistung... Ich weiß nicht, ob mir dieses Marketing gefällt.
Allerdings sollten 6 Monate reichen. Es geht ja im Prinzip nur um die ersten Wochen nach dem Umzug.
Die aktuellen Preise (Stand: Januar 2026):
- Online-Beauftragung (Privatkunden): 31,90 € für 6 Monate
- In der Postfiliale (Privatkunden): 34,90 € für 6 Monate
- Geschäftskunden (online): 51,90 € für 6 Monate
Online sparst du also 3 € gegenüber dem Filialpreis. Nicht die Welt, aber immerhin. Bezahlen kannst du per Lastschrift, Kreditkarte oder Giropay. Der Betrag wird nur einmalig fällig.
Zusatzkosten, die du kennen solltest
- Eilauftrag: Wer die Vorlaufzeit von 5 Werktagen verpasst hat, kann einen Eilauftrag dazubuchen. Kostet 10 € extra, dafür startet die Nachsendung idealerweise schon am nächsten Werktag. Der Eilauftrag funktioniert allerdings nur für Einzelpersonen und nur bei Online-Beauftragung.
- Nachsendung ins Ausland: Die Preise gelten auch für eine Nachsendung ins Ausland. Allerdings können ausländische Postgesellschaften ein zusätzliches Nachentgelt erheben. Einschreiben, Pakete und Pressesendungen werden ins Ausland nicht nachgesendet.
Tipp für Familien und WGs
Du musst also nicht für jedes Familienmitglied einzeln bezahlen. Einfach die mit umziehenden Personen im Formular angeben.
Achtung bei den Namen: Die Deutsche Post verlangt ausgeschriebene Vor- und Nachnamen. Abkürzungen wie „A. Müller" oder Bezeichnungen wie „Familie", „Eheleute" oder „Herr/Frau" sind nicht erlaubt. Wer das falsch macht, bekommt keine Fehlermeldung, sondern der gesamte Nachsendeauftrag wird nicht gestartet. Das erfährst du dann im Zweifel erst, wenn deine Post nicht ankommt.
Wie beantrage ich den Nachsendeauftrag?
Du hast im Wesentlichen zwei Wege:
1. Online über die Deutsche Post
Das ist der schnellste und günstigste Weg. Du gehst auf shop.deutschepost.de/nachsendeservice-beauftragen, füllst das Formular aus, bezahlst, fertig. Dauert vielleicht fünf Minuten, und du sparst dir den Gang zur Filiale.
2. In der Postfiliale
Wer es lieber analog mag: In jeder Filiale der Deutschen Post liegen die entsprechenden Formulare aus. Ausfüllen, unterschreiben, abgeben. Kostet 3 € mehr und ist etwas umständlicher, funktioniert aber natürlich genauso.
Wann sollte ich den Nachsendeauftrag stellen?
Die Deutsche Post braucht mindestens 5 Werktage Vorlaufzeit. Meine Empfehlung: Kümmere dich am besten zwei bis drei Wochen vor dem Umzug darum. So hast du Puffer, falls etwas schiefgeht. Und vergiss nicht, an deinem neuen Briefkasten ein Namensschild anzubringen. Ohne Namensschild kann der Briefträger deine Post nicht zustellen, Nachsendung hin oder her.

Was wird nachgesendet und was nicht?
Der Nachsendeauftrag gilt für die meisten Briefsendungen:
- Briefe und Postkarten
- Einschreiben
- Blindensendungen
- Warensendungen
- Adressierte Werbesendungen mit Umschlag
Nicht nachgesendet werden:
- Unadressierte Werbung und Postwurfsendungen
- Zeitungen und Zeitschriften (Pressepost)
- Express-Sendungen
- Dialogpost ohne Umschlag (adressierte Massenwerbung)
- Sendungen mit dem Vermerk „Nicht nachsenden"
- Pakete und Päckchen (dazu gleich mehr)
Das Thema Pakete
Hier kommt die Überraschung, auf die viele nicht vorbereitet sind: Pakete und Päckchen werden seit Juli 2024 nicht mehr über den Nachsendeauftrag nachgesendet. Dieser Zusatzservice wurde komplett eingestellt. Pakete, die an deine alte Adresse geschickt werden, gehen also an den Absender zurück.
Was du tun kannst: Lass die Pakete online direkt an eine Packstation oder Filiale umleiten.
Mir ist das ironischerweise genau so passiert. Einige Tage nach der Übergabe der alten Wohnung bekam ich eine E-Mail, dass mir am nächsten Tag ein Paket zugestellt wird. An der alten Adresse! Ich wusste auch gar nicht, von wem das Paket sein sollte, da ich bei allen, von denen ich Pakete erwartete, die Adressummeldung schon erledigt hatte.
Und meine neue Wohnung war nun nicht gerade um die Ecke. Also ging eine abendliche Telefoniererei los. Einen ehemaligen Nachbarn hatte ich erreicht, allerdings war er am nächsten Tag nicht zugegen, an dem das Paket ankommen sollte, genauso wie zwei andere Nachbarn. Man muss sich die Szene vorstellen, wie mein Nachbar mit mir am Telefon durchs Haus rennt, um jemanden zu finden, der mein olles Paket annehmen kann.
Die rettende Idee: Ich habe online versucht, das Paket an eine Filiale umzuleiten und mein Nachbar hat einen Zettel an meinen alten Briefkasten geklebt mit der Bitte um Weiterleitung an die Filiale. Das hat super geklappt, wenn man von dem Stress mal absieht. Ich hatte dann eine Woche Zeit, zur alten Adresse zurückzugurken und das Paket abzuholen.
Als ich dann wusste, von wem das Paket war, musste ich mich doch sehr wundern, da ich meine Adresse bei dem Shop geändert hatte, bevor ich eine neue Bestellung aufgab. Hier kann man gut erkennen, was passiert, wenn Webseiten Account-Updates nicht vernünftig durchführen. Das war schon etwas ärgerlich.
Berliner aufgepasst: PIN Mail nicht vergessen
Jetzt kommt ein Punkt, den ich so auch nicht auf dem Schirm hatte. In Berlin gibt es neben der Deutschen Post einen großen regionalen Briefdienstleister: die PIN AG. PIN Mail stellt in ganz Berlin Briefe zu und wird von Behörden, Gerichten und Unternehmen genutzt.
Das Tückische: Der Nachsendeauftrag bei der Deutschen Post gilt nicht für PIN-Briefe. Die beiden Unternehmen haben kein vertragliches Verhältnis zueinander. Wenn du also nur bei der Deutschen Post einen Nachsendeauftrag stellst, können Briefe, die über PIN zugestellt werden, trotzdem an deiner alten Adresse landen.
Aber einen hast du frei. Einige Tage nach meinem Umzug bekam ich einen PIN-Brief mit Behördenpost nachgesendet. Im Schreiben stand der ausdrückliche Hinweis, dass dies eine einmalige Nachsendung war und ich bei PIN separat einen Nachsendeauftrag stellen müsse.
Nachsendeauftrag bei PIN AG stellen
Der Nachsendeauftrag bei der PIN AG funktioniert ähnlich wie bei der Deutschen Post. Du kannst ihn online unter pin-ag.de oder persönlich in einem der über 100 Partnershops in Berlin stellen.
Die Preise bei PIN AG (Privatkunden):
- 12 Monate: 37,90 €
- 24 Monate: 49,90 €
Im Gegensatz zur Deutschen Post bietet die PIN AG also noch eine 12-Monats-Option an. Ausgenommen von der Nachsendung bei PIN sind Werbe- und Pressesendungen sowie Pakete.
Wichtig: Der PIN-Nachsendeauftrag funktioniert nur, wenn deine alte Adresse im Berliner Stadtgebiet liegt. Für Adressen außerhalb Berlins ist die PIN AG nicht zuständig.
Betrifft dich das auch?
Nicht nur Berlin hat regionale Briefdienste. In Dresden und Umgebung gibt es Post Modern, in Hamburg kooperiert PIN mit dem Zustellunternehmen PLH, und in anderen Regionen gibt es weitere kleine Anbieter wie Nordkurier, RegioMail oder Allgäu Mail.
Allerdings hat die Deutsche Post einen Marktanteil von rund 85% bei Briefen. Für die meisten Menschen außerhalb Berlins wird der regionale Briefdienst daher kaum ins Gewicht fallen.
Vorsicht vor Drittanbietern
Und jetzt zum Thema, das jeden betrifft, egal wo du wohnst. Wenn du „Nachsendeauftrag" googelst, siehst du als erstes bezahlte Anzeigen von Drittanbietern. Die Seiten sind oft in Gelb und Schwarz gestaltet, sehen also täuschend echt nach Deutscher Post aus.
Diese Anbieter führen die Nachsendung aber nicht selbst durch. Sie leiten deinen Auftrag nur an die Deutsche Post weiter und kassieren dafür kräftig ab. Die Verbraucherzentrale Niedersachsen warnt sogar vor diesen Anbietern.
Wenn du also als Privatperson mehr als 35 € zahlst, hast du wahrscheinlich nicht direkt bei der Deutschen Post bestellt.
Was passiert nach Ablauf der 6 Monate?
Der Auftrag endet automatisch. Du musst nichts kündigen, es entstehen keine Folgekosten. Wenn du länger absichern möchtest, musst du nach Ablauf einen neuen Nachsendeauftrag stellen. Beachte dabei wieder die Vorlaufzeit von 5 Werktagen, damit keine Lücke entsteht.
Und wenn du nochmal umziehst? Wer von Adresse A nach B gezogen ist und dann von B nach C zieht, braucht einen zusätzlichen Nachsendeauftrag von B nach C. Der alte Auftrag (A nach B) läuft parallel weiter, bis er ausläuft. So geht keine Post verloren, die noch an eine der früheren Adressen geschickt wird.
Stornieren kannst du über das Kontaktformular der Deutschen Post. Wichtig: Eine Teilerstattung ist nur möglich, wenn der Auftrag noch nicht gestartet ist. Sobald die Nachsendung läuft, gibt es kein Geld zurück.
Mein Fazit
Der Nachsendeauftrag ist einer dieser Umzugs-Punkte, die in fünf Minuten erledigt sind, aber richtig Ärger machen können, wenn man sie vergisst. Für 31,90 € bekommst du sechs Monate Ruhe und die Sicherheit, dass wichtige Briefe auch wirklich an der neuen Adresse ankommen.